Zum 70. Todestag von Ernst-Ludwig Kirchner
Ernst Ludwig Kirchner - Farbige Druckgraphik
Ernst Ludwig Kirchner: Wintermondnacht, 1919
Museum Folkwang, Essen
© Dr. Wolfgang Henze, Ingeborg Henze Ketterer
Zum Teil noch nie öffentlich gezeigte Blätter
aus allen Schaffensphasen des großen deutschen Expressionisten Ernst Ludwig
Kirchner kommen hier erstmals zusammen. Neben ihrer rauschhaften Farbigkeit
faszinieren diese Werke als Dokumente der experimentellen Arbeitsweise des
Künstlers, der jeden Abzug eigenhändig anfertigte.
Die farbige Druckgraphik gehört zum Schönsten, was der große deutsche Expressionist Kirchner geschaffen hat. Als Künstler seiner Zeit war für ihn die Farbe von ganz besonderer Bedeutung. Mit ihr drückte er seine innersten Gefühle aus, sie war oftmals ein ungefilterter Spiegel seiner Empfindungen: heftig oder zart, brutal oder gefühlvoll. Vom Beginn seines künstlerischen Schaffens an beschäftigte sich Kirchner mit farbigen Druckgraphiken. Es war sein Ehrgeiz, alle Abzüge selbst herzustellen, ohne die Hilfestellung professioneller Drucker. Fast immer entstanden so nur ganz kleine Auflagen, bei denen sein künstlerischer Einfluss während des Druckprozesses unentbehrlicher Bestandteil des Kunstwerks war. Kirchner experimentierte in allen Techniken: Holzschnitt, Lithographie sowie farbige Radierung.
Die Blätter der Dresdener Schaffensjahre besitzen oftmals eine Leichtigkeit und Eleganz, die man in der deutschen Kunst selten findet. In den Jahren 1911 bis 1916 in Berlin entstehen Kirchners eindrucksvollste Druckgraphiken: Großstadtszenen von schonungsloser Offenheit und Direktheit. Das spätere Schaffen bringt neben Variationen des Erarbeiteten auch überraschend neue Bildlösungen von souveräner Formensprache.
Das Katalogbuch zur Ausstellung des Brücke Museums versammelt etwa 120 farbige Druckgraphiken aus allen Schaffensphasen des Künstlers.
Günther Gercken, Professor für Biochemie an der Universität Hamburg i. R., arbeitet an einem neuen Werkverzeichnis der Druckgraphik von Ernst Ludwig Kirchner.
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